Die Bindungstheorie
Ich denke immer noch, dass mein Exfreund mein Soulmate war. Diese tiefe Verbindung – für immer.
Doch ich bin auf etwas gestoßen, das ich eigentlich schon immer wusste, aber nie aus der Perspektive meiner damaligen Beziehung sehen konnte.
Wir alle bekommen Spiegel in unserem Leben. Das, was wir sind, strahlen wir aus – und genau das bekommen wir zurück. Vor allem in zwischenmenschlichen Beziehungen.
Das heißt: Wenn du unzufrieden bist, wirst du Menschen begegnen, die es ebenfalls sind.
Wenn du sprunghaft bist und dich nicht entscheiden kannst, triffst du auf Menschen, die dasselbe in sich tragen – die absagen, die unsicher sind, die dich auf dem Wartegleis stehen lassen, bis sie sich in der Lage fühlen, sich festzulegen.
Und wir ziehen an, was wir gewohnt sind.
Wir ziehen genau die Menschen an, die uns Sicherheit geben – nicht in der Liebe, sondern in der Gewohnheit.
Das bedeutet wiederum: Du wirst dich in einer Beziehung wiederfinden, die dir das gibt, was du aus deiner Kindheit kennst – das, was sich tief in deinem Körper gespeichert hat.
In meinem Fall habe ich drei Jahre lang meine eigenen Bedürfnisse vernachlässigt, alles dafür getan, geliebt zu werden.
Ich habe versucht, gut genug zu sein – und immer wieder voller Angst darauf gewartet, verlassen zu werden.
Alles Dinge, die ich schon aus meiner Kindheit kenne.
Nach der Trennung war ich lange überzeugt, dass wir wieder zueinander finden würden. Ich dachte: Wir gehören zusammen.
Doch nach über einem Jahr voller Verdrängung kommt jetzt der wahre Schmerz – die Erkenntnis, dass meine damalige Beziehung ein Spiegel meiner Kindheit war.
Eine Beziehung, die zu viel von mir abverlangt hat.
Erst jetzt kann ich wirklich weinen – und zwar so richtig.Weinen um mein inneres Kind, um meine kleine Lena.
Um die erwachsene Lena, die ihre Bindungsmuster noch nicht verstanden oder durchbrochen hat. Die immer noch versucht, gesehen zu werden. Die immer noch glaubt, sie müsse leisten, bevor sie Liebe verdient.
Durch meine Programmierung hat mein Nervensystem – besonders im Zusammenhang mit meiner Hochsensibilität – gegen meine jetzige Beziehung rebelliert. Und das nur, weil dieser Mensch nichts von mir verlangt hat. Absolut gar nichts.
Ganz im Gegenteil: Ich erfahre bedingungslose Liebe – mit dem Wissen, dass ich meinen Weg gehen darf, auch wenn es scheitern könnte.
Aber dieses Risiko geht dieser Mensch für mich ein. Weil er mein Spiegel ist.
Das, was er mir gibt, gebe ich ihm. Was wir gemeinsam erleben, ist die Zusammenkunft zweier Seelen, die die gleiche Frequenz teilen – immer mit dem Wissen, dass das Jetzt entscheidend ist, nicht die Zukunft.
Und ja, ich struggle täglich – mit der Frage, was ich will, was der Sinn ist und wie mein Weg weitergeht.
Aber am Ende sollten wir uns alle fragen: Was sind wir gewohnt. Wo bleiben wir in der Vergangenheit. Und wo können wir endlich ausbrechen – und unseren eigenen Weg gehen.