Einsam
„Meine Einsamkeit hängt nicht von der Anwesenheit oder Abwesenheit von Menschen ab. Ich hasse es, wenn jemand meine Einsamkeit stiehlt, ohne mir im Gegenzug echte Gesellschaft zu bieten.“ – Friedrich Nietzsche
Mein Leben besteht aus Einsamkeit. Durch das stetige Gefühl, kein Teil dieser Welt zu sein – aufgrund meiner Neurodivergenz und meiner dadurch gemachten Prägungen – bin ich einsam.
Denn nur wenige Menschen sind bereit, sich auf mein Denken einzulassen. Und wir begeben uns gerade durch die beständige kollektive Angst um das Leben in eine weitere Distanzierung voneinander. Damit meine ich: Jeder schaut auf seinen eigenen Arsch.
Ich bin es satt, bei oberflächlichen Gesprächen dabei zu sein, dem steigenden Konsum von Drogen jeglicher Art zuzusehen oder leeren Seelen noch ein Ohr zu schenken. Einsamkeit ist kein Allein-sein-Wollen, sondern ein Allein-sein-Müssen, weil es keine tiefen Verbindungen gibt.
Sind wir doch mal ehrlich: Wir alle wollen dazugehören. Wir wollen geschätzt und geliebt werden. Wir wollen Momente sammeln – mit Menschen, die uns guttun. Wir wollen entscheiden können, wann wir allein sein wollen. Und wann wir auch mal allein sein müssen.
Aber in der heutigen Zeit scheinen echte Freundschaften kaum noch möglich, weil alle nur noch in der digitalen Welt leben. Wo sind die tiefen Gespräche, das aufrichtige Miteinander und vor allem das wahre Interesse an Menschen geblieben?
Ein nacktes, emotionales Gespräch ist heute kaum noch möglich, weil niemand bereit ist, sich aus Angst verletzlich zu zeigen. Dabei ist es genau das, was uns zusammenbringt. Was uns inspiriert. Was uns weiterdenken lässt. Aber es ist nicht mehr da.
Und ich bin es so satt. Ich bin es satt, mich in jeglicher Form authentisch zu zeigen und dafür Ablehnung zu erfahren, weil der Gegenpart seinen eigenen Wert nicht kennt.
Ehrlich – ich kann auf eure Nachrichten wirklich nichts mehr geben. Auf Worte wie: „Ich bin für dich.“ „Meld dich.“ „Du bist meine Freundin.
Sorry, aber nein. Freundschaften und Beziehungen bestehen aus beidseitigem Interesse. Und beide Parteien müssen eine gewisse Bereitschaft und Mühe zeigen.
Ja – jeder zeigt seine Dankbarkeit, seine Wertschätzung und seine Art von Freundschaft anders. Aber jeder muss sich fragen, was seine Priorität im Leben ist. Und mir fällt auf, dass ich es nicht bin. Das heißt nicht, dass ich um jeden Preis an erster Stelle stehen möchte, sondern dass ich teilhaben will an dem Leben, der Menschen die ich gerne an meiner Seite haben möchte. Doch ich bin es nicht.
Lieber bin ich mittlerweile einsam und allein, statt diesen Egoismus anderer Menschen in mein Leben zu lassen. Denn das ist es: Egoismus.
Jeder Mensch behandelt einen Menschen, so, wie er ihm wert ist.