Sehnsucht
Süchtig nach mehr schaute ich auf das Meer. Den Wellen beobachtend, dem Wind lauschend, das Wasser fühlend.
Diese Sehnsucht nach diesem Unbekannten, das nie mein Leben sein wird und mir doch jeden Tag vor Augen geführt wird. Bis einer ausnahmsweise mal ein stinknormales Butterbrot schmiert.
Ich hasse Social Media. Es macht krank. Krank vor Neid. Krank vor Eifersucht. Denn du siehst täglich deine Sehnsüchte, die deine eigene Realität zunichtemachen.
Es ist so banal daher gesagt: Was alle haben, kannst du auch haben. Doch keiner spricht über Blut, Schweiß und Tränen, sondern nur über die Feuerwerksfontänen, die beim Erfolg den Himmel erleuchten.
Keiner spricht über seinen Start ins Leben, so kann eben nicht jeder wie auf Social Media leben.
Selbstoptimierung ohne Sinn macht das Gehirn auch schnell hin. Konsum jeglicher Art wirkt dann als supersmart.
Doch was ist, wenn der wahre Reichtum in Gesundheit und Liebe steckt und nicht in einer Kiste namens iMac?
Was, wenn Liebe die wahre Mutprobe ist und nicht ein Solotrip durchs Himalayagebirge?
Immer höher, immer besser, immer schneller, immer krasser. Am Ende suchen doch alle nur diese eine unterstützende Hand, die dich hält – zwischen der dicken, fetten Wand.
Der Wand der Angst, der Sorge, des Wahnsinns und des Tobens. Doch wir sind getrimmt durch den giftigen Wind, der uns sagt: „Sei stark, sei wild, sei kein Kind.“
Dabei steckt im inneren Kind das Wilde, das Wahre, das Gewillte.
Einem wird erzählt: Wenn ein Mensch geht, dann weine nicht – so wichtig war er nicht. Schnell vergessen ist angesagt, denn etwas scheinbar Besseres steht schon parat.
Doch das stimmt nicht. Um wirklich loszulassen, heißt es, Trauer einfach einmal zuzulassen.
Doch in dieser Welt ist das nicht mehr erwünscht. Sonst wärst du ja gesund. Wir sollen lieber Tabletten schlucken. Das Herz soll einfach weiterpumpen, als wäre nie etwas gewesen. Hauptsache, du kannst im großen Kampf weiterschießen.
Wenn nicht jetzt, wann dann?
Für manche Menschen bleibt die Sehnsucht ein Tyrann. Sie betört sie mit ihrem Schein, bringt sie zum Weinen und lässt sie beneiden.
Am Ende bleibt sie bestehen, und du musst mit ihr wohl oder übel weitergehen. Denn für manche Menschen bleibt eine gewisse Welt verwehrt, weil sie lernen müssen, mit einer Krankheit durchs Leben zu gehen.
Was läuft hier eigentlich immer wieder verkehrt?