Traum(a)

Sie stand im Flur. Wartend auf das, was kommt. Kommt er zurück oder bleibt er fort? Wenn er zurückkommt, dann in welchem Zustand? Hatte sie zu viel gesagt, zu viel diskutiert? War sie zu weit gegangen und bleibt die Tür für immer verschlossen?

Es gab so viele Situationen, in denen sie weg wollte. Raus, Luft holen. Und es nicht konnte. Zweimal hatte sie es versucht. Zweimal die Koffer gepackt und schon im Hausflur mit der Bereitschaft zu gehen. Fort von diesem Zuhause. Fort von all den Problemen. Fort von der Angst, die auf ihrem Rücken ausgetragen wurde. Doch sie wurde eingeholt. Zurückgeholt in den goldenen Käfig. In eine Welt voller Möglichkeiten, doch mit klaren Grenzen. Ihr Himmel kannte vier Ecken. Weiter ging es nicht hinaus. Nur ganz selten öffnete sich der Horizont und sie floh aus dem Grau in ein saftiges Grün. Sie schmeckte Nikotin, Alkohol und Gras, aber nichts davon machte ihr wirklich Spaß. Nicht mal das Küssen war etwas, das ihr etwas gab – einzig und allein der Gedanke an das eigene Grab.

So ging es dahin mit dem Rosenkrieg und dem Dieb, der ihr die Familie nahm, und das hat ganz schrecklich wehgetan. Das gemeine Lachen der anderen Kinder hört sie bis heute noch – zu sehr tropft diese Erinnerung noch immer in ihrem Kopf herum. Die Gewalt und das Wissen um die eigene Angst haben ihr den Mut genommen und sie in die Einsamkeit verbannt.

„Das Leben ist kein Wunschkonzert“, wurde ihr immer wieder gesagt. Somit wurde ihr das Träumen genommen und die Realität hatte begonnen. Nun, sie war schon immer da, aber das kleine Mädchen flüchtete sich ins Tagträumen. Ja. Mal sah sie sich auf einer großen Bühne, mal als Heldin oder Abenteurerin in der Ferne. Von all dem hat sie bis heute nichts erreicht. Eher immer nur einen kleinen Bissen vom Kuchen bekommen. Beim Versuch zu funktionieren in dieser Welt ging jeder Traum zu Ende, bis sie in den Abgrund fiel. Zweimal glaubte sie zu lieben, wie in dem Traum mit sieben. „Wenn ich groß bin, liebe ich auch.“ Doch dieser Traum war schneller aus. Denn ihr wurde klar, dass Lieben viel mehr war.

Das Herz war gebrochen und es roch nur noch nach Hoffnungslosigkeit. Bis heute gibt sie sich die Schuld. Hätte sie doch nur mehr Güte gezeigt. Es sollte anders kommen und in ihr war viel zerbrochen. Eine Krankheit wurde ihr größter Gegner und es wurde immer später.

Nun steht sie da, Hand in Hand mit ihrem kleinen Ich, und sieht vor lauter Sorge kein Licht.

Alles verstummt. Beide sind nicht mehr gesund. Jeder Traum ist vorbei. Was bleibt, sind die Zwei.

Die beiden bin ich. Und das Happy End gibt es so nicht.

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Ohne Hoffnung