Austauschbar

Leute kommen und gehen. Das ist wohl eines der bekanntesten Sprichwörter unserer Zeit.

Und es ist auch etwas Wahres dran, denn wir sehen es überall: Bahnhöfe, Flughäfen, Häfen und Shoppingpassagen. Überall kommen und gehen Menschen. Und dazwischen gibt es noch Beziehungen aller Art, die uns prägen. Und dort ist es das Gleiche.

Oder hast du noch zu all deinen Klassenkameraden Kontakt? Von klein auf lernen wir, dass es feste Bindungen nicht gibt und wir immer wieder mit Verlust konfrontiert werden. Somit ist es auch normal geworden, dass wir Menschen uns gar nicht mehr auf Beziehungen einlassen. Ganz im Gegenteil: Wir wechseln sie wie Unterhosen. Und wenn es keinen Nutzen mehr hat, dann wird aussortiert. Denn es wird etwas Besseres, etwas Passenderes und etwas Schöneres auf uns warten – bis wir wieder das Interesse verlieren und ersetzen.

Ich musste schon sehr früh lernen, dass echte Verbindungen, die auf beiderseitigem Interesse bestehen, kaum existieren. Lieber wird gegangen, als dass das, was man hat, wertgeschätzt wird.

In der Berufswelt, geprägt durch den Kapitalismus, sind wir so ersetzbar und austauschbar wie nirgends sonst. Denn wenn du nicht hart arbeitest und deinen Nutzen verlierst, wieso solltest du dann noch behalten werden? Ehrlich: Deine Arbeit ist nur so lange etwas wert, wie sie zur Erhaltung der Wirtschaft dient.

Und durch diesen Druck entsteht eine neue Generation, die sich nicht mehr darum schert zu arbeiten, denn es bringt weder Erfolg noch Wertschätzung mit sich, eher das reine Überleben, um diesen Erwartungen der Digitalisierung standzuhalten.

Genauso betrifft es Beziehungen aller Art. Wir Menschen sind so gefangen, dass wir lieber gehen. Dass wir gar nicht mehr an eine ehrliche Liebe glauben. An Wertschätzung und auch daran, dass eine Beziehung, eine Familie Erfüllung mit sich bringt. Denn das Überleben stellt uns immer wieder die Frage: Mache ich genug?

Ich frage mich wirklich, ob es zu viel verlangt ist, dass wir als Gesellschaft wieder dazu kommen, bestehende Beziehungen zu schätzen?

Sind wir wirklich so austauschbar und nichts wert, wenn uns Menschen immer wieder davon überzeugen, selbst wenn wir unseren Wert kennen.

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