Schwierigkeitsgrad
„Es ist so lange schwierig, wie du es für schwierig empfindest.“
Schwierigkeiten sind genau dann da, wenn wir auf Herausforderungen treffen und eine Menge Energie, Disziplin und Eigenverantwortung brauchen. Wenn Durchhaltevermögen trotz unangenehmer Situationen gefordert wird. Doch gibt es wirklich schwierige Phasen oder machen wir sie schwierig, weil wir in uns noch nicht angekommen sind?
Abnehmen ist schwierig. Die Hausaufgaben sind schwierig. Das Spiel ist schwierig. Die Beziehung ist schwierig. Die Prüfung ist schwierig. Der Mensch ist schwierig. Die Familie ist schwierig. Die Arbeit ist schwierig. Die Freunde sind schwierig. Alles ist schwierig.
Solange du der Situation die Schwierigkeit zuschreibst, ist sie schwierig, denn es ist nur dann schwierig, wenn es nicht unseren Erwartungen entspricht. Den Erwartungen, die wir zum einen aus uns selbst tragen und zum anderen denen von anderen.
Doch ich bin mittlerweile der Meinung, dass wir, wenn wir die Perspektive ändern und die Schwere aus mancher Phase herausnehmen, vieles anders sehen können. Keiner sagt, dass es leicht ist, aber es ist der Weg, um wieder leichter zu sein. Dann stellen wir oft fest, dass die meisten sogenannten Probleme im Kopf stattfinden. Und wer meinen Blog verfolgt, weiß, dass ich gerne darüber schreibe, dass wir Menschen uns selbst gerne manipulieren, statt einfach abzuwarten.
Das heißt nicht, dass wir uns ausruhen sollen, bis jemand kommt und etwas verändert, sondern dass wir in Eigenverantwortung unserer aktuellen Möglichkeiten einen Weg finden, der unseren Erwartungen näher kommt.
Natürlich ist es immer eine Frage, wie hoch Erwartungen sind und wie geprägt wir durch diese Welt gehen. Es bedeutet auch, manches still zu akzeptieren und zu verstehen, dass manches einer Illusion zum Opfer gefallen ist.
Nehmen wir meine aktuelle Lebensphase. Ich bin krankgeschrieben wegen meiner Migräne und der nicht aufhörenden Konsequenzen daraus. Das bedeutet, dass mein Leben gerade schwierig ist, denn es entspricht gar nicht meinen Vorstellungen und Erwartungen. Hätte ich diese Anfälle nicht in diesem Ausmaß bekommen, würde ich normal weiterarbeiten. Den ein oder anderen Urlaub machen und manches Reiseziel verwirklichen. Ich würde öfter zu meinem Partner fahren können, denn wir führen eine Fernbeziehung, die es nicht leicht macht, aber auch nicht unmöglich. Und trotzdem liegt in allem eine Schwere, weil es wahnsinnig viel Mühe kostet, geduldig zu bleiben und in Eigenverantwortung zu handeln.
Und dann wären da die Erwartungen anderer. Genauer gesagt die der Gesellschaft, der Arbeit, der Ärzte und der Partnerschaft. Denn die Gesellschaft möchte, dass ich funktioniere und schnell wieder der Wirtschaft des Landes diene. Die Ärzte denken: Pille rein und alles fein. Hauptsache, sie müssen sich nicht bei der Krankenkasse rechtfertigen, warum ein junger Mensch wegen einer nicht ersichtlichen Krankheit so lange zu Hause sitzt. Die Familie macht sich Sorgen, denn wo soll das hinführen? Noch mehr Arbeitsplatzwechsel, noch mehr finanzielle Unsicherheiten und keine Antwort. Und ja, die Partnerschaft leidet, weil die Distanz kein spontanes Sehen ermöglicht, kein „Ich brauche kurz deine Nähe“, keine Festigung, weil die Schmerzen den Tagesablauf regieren.
Doch wie gelingt es mir, die Schwere herauszunehmen?
Es ist schwer. Ja, das ist es wirklich. Weil ich nicht in der Lage bin, allen Erwartungen gerecht zu werden. Vor allem nicht gleichzeitig. Und weil ich noch nicht an dem Punkt meiner Persönlichkeit bin, sofort alles direkt anzugehen und zu meistern. Ich glaube auch, dass das nicht möglich ist. Schritt für Schritt. Tag für Tag. In der Gegenwart und nicht in der Zukunft oder der Vergangenheit. Denn das Hier und Jetzt ist entscheidend für die Priorisierung der eigenen Erwartungen an sich selbst. Es geht nicht darum, anderen zu beweisen, dass man fähig ist. Es geht darum zu verstehen, dass du fähig bist – aber zu deiner Zeit.
Und die Erwartungen anderer, sind nicht deine. Es sind alles festgefahrene Muster und Ängste, die da laufen. Wenn wir ganz tief in uns hören, dann wissen wir, dass alles gut wird zu seiner Zeit. Aber es erfordert sehr viel Geduld. Und diese sollten wir uns geben.