Liebesfluch

„Denn wenn ich dich ansehe, kann ich es fühlen. Ich sehe dich an und bin zu Hause.“ – Dorie

Das beschreibt meine Sicht auf Liebe, auf eine Beziehung, die ich führen möchte. Doch durch den gelebten Kapitalismus, die Digitalisierung und anhaltende Rollenbilder, die sich nur mühsam aufbrechen lassen und immer noch auf Sicherheit für die Frau basieren, wird das schwierig.

Vor allem Tinder und Co. zeigen die oberflächliche Objektifizierung eines Menschen – erst wird bewertet, danach lässt man sich vielleicht auf ein Gespräch ein. Übrigens: Im 17. Jahrhundert wurde das auch schon gemacht, nur mit gemalten Gemälden und Muttis Meinung. Aber Tinder toppt das Ganze.

Und ja, da wären dann die Umbrüche und Auseinandersetzungen mit Bindungstheorien, Ängsten und Traumaverarbeitung. Denn Oma und Opa mussten im Krieg kämpfen, da lebte das Motto: Wir bleiben zusammen. Auch ohne Liebe.

Mama und Papa leben nach dem Prinzip „Ach, drei Ehen sind völlig normal“, und Scheidungen sind ein neuer Trend. Und Gen Z schaut auf Dating-Apps nach der großen Liebe und sucht nach dem ersten Scheitern direkt per Klick nach dem neuen Dopaminkick – weil keine sicheren Bindungen mehr möglich scheinen und wir auch Work-Life-Balance in der Beziehung suchen.

Ach, und nicht zu vergessen: Frauen werden nach außen stärker und suchen trotzdem noch ihren Wert in Männern. Traurig, aber wahr – wir wollen alle Liebe, na klar.

Doch was macht das mit uns, wenn wir immer wieder in dieser Schnelllebigkeit gefangen sind?

Wir halten das Hintertürchen offen und fliehen, sobald es schwierig wird, denn irgendwo da draußen wird schon jemand warten, der noch besser passt und keinen Ärger macht. Muss Liebe schön sein? Wenn ich groß bin, liebe ich auch. Das zumindest dachte ich mit zarten acht Jahren.

Doch je länger ich beobachte und selbst in diesem einzigartigen und gleichzeitig eintönigen Spiel dabei bin, muss ich sagen: einfach nein.

Nein zu Dating-Apps, nein zu aufgesetztem Smalltalk, der nie über die Frage hinausgeht: „Und was sind deine Ziele im Leben?“ – weil die Antwort meistens lautet: „Ach, ich will mich selbst verwirklichen, reisen und irgendwann mal eine Familie gründen.“

Keiner spricht darüber, dass Beziehungen Arbeit bedeuten, unangenehme Situationen auszuhalten und bereit zu sein, ein Risiko einzugehen – mit offenem Ausgang.

Und vor allem eins: mehr im Hier und Jetzt zu bleiben, ein Team zu werden und jeden Tag seinem besten Freund zu begegnen.

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