Beweisen

Im letzten Beitrag schrieb ich über das Gefühl, die Angst, etwas zu verpassen.

Und ich fand keine Lösung oder wirklich aufmunternde Worte, wie wir damit umgehen lernen können.

Ich denke, die ständige Reizüberflutung durch soziale Netzwerke gibt uns ständig vor, was wir tun müssen. Wie wir zu leben haben und welche Wege für uns die richtigen sind.

Doch geht dabei nicht die Achtsamkeit verloren. Leben wir nur noch für andere. Oder leben wir wirklich für uns.

Ehrlich gesagt lässt mich eines seit Langem nicht los – und ich begreife erst jetzt, warum.

Ich schreibe in meinem Blog über radikale Akzeptanz, über die Überführung des Egos und über das ständige Bewusstsein für sich selbst.

Aber ich selbst lebe aktuell nichts davon. Ganz im Gegenteil: Ich lebe wieder für andere.

Ich arbeite für andere. Opfere mich auf. Opfere gerade sogar meine Gesundheit dafür. Ich schwanke ständig zwischen Verstand und Intuition.

Mein hohes Verantwortungsbewusstsein, das aus meiner Hochsensibilität resultiert, bringt mich immer wieder an den Punkt, dass sich meine Grenzen verschieben – dass ich sie verschiebe.

Ich gehe zwar aus der Arbeit, bin aber innerlich noch mittendrin. Mein Kopf plant, denkt und handelt weiter. Denn ich will es gut machen. Verdammt gut. Ich will allen zeigen, dass sie unrecht hatten. Ich will meinem Exfreund beweisen, dass er mich zu Unrecht verlassen hat. Ich will Anerkennung von meiner Familie – deswegen suche ich mir herausfordernde Arbeitsstellen, nur damit die Menschen sagen: „Wow.“

Ich will den Mobbern aus der Schule zeigen, dass ich kein Opfer bin. Dass ich stärker bin. Dass ich erfolgreicher sein werde. Ich will all den Menschen, die mich verletzt haben, zurufen: „Seht ihr, ich bin mehr.“

Und in all diesem Beweisen, in all dem Zeigenwollen, was in mir steckt – weil mein inneres Kind noch so verletzt ist von vielen Ereignissen – gehe ich zugrunde. Weil ich nicht loslassen kann von dem Gefühl, gerecht werden zu müssen. Akzeptiert und gewollt zu sein.

Der Wille, unbedingt zeigen zu wollen, was ich kann und wer ich bin, lässt mich mich selbst ein weiteres Mal verlieren.

Und nun muss ich mich wiederfinden.

Ich weiß um meinen Wert. Ich weiß um mein Können. Doch ich suche nach dem Weg, meine Erfüllung im Leben zu finden.

Manchmal denke ich mir: Du bist gemacht für Social Media, du kannst Menschen mitreißen. Dann sehe ich, wie viele dort bereits mitreißen – und frage mich: Wozu noch eine mehr? An anderen Tagen denke ich: Du bist doch Künstlerin, du bist kreativ. Doch wenn ich sehe, wie viele Künstler es gibt, erkenne ich, wie schwer es ist, Menschen für die eigene Kunst zu begeistern. Dann wäre da noch das Schreiben. Das kann ich gut. Oh ja, das wäre etwas – ein Buch.

Aber wenn ich in einer Buchhandlung stehe, sehe ich all die vielen Bücher über Selbstfindung und frage mich: Braucht es wirklich noch eines?

Ihr merkt, worauf es hinausläuft: Ich zweifle.

Wir wissen alle, dass wir mehr sind als Körper, mehr als Fleisch und Blut. Wir sind Energie. Alles kommt und geht im Fluss.

Doch wo ist meiner. Sagt mir: Wo ist mein Fluss, mein Vertrauen, mein Weg? Gerade sehe ich ihn nicht. Ich frage mich wirklich, worin mein Leben besteht.

Ich glaube, so ehrlich war ich weder zu mir noch in diesem Blog.

Und doch fühlt es sich gut an.

Zurück
Zurück

Fall again

Weiter
Weiter

Fomo oder Rückzug