Einsam

Mit dem Verlust von Lebenszeit, Freundschaften und Beziehungen kommt noch etwas anderes. Die Einsamkeit.

Viele Betroffene sprechen nicht wirklich darüber. Vielleicht, weil man sich irgendwann daran gewöhnt. Vielleicht aber auch, weil Einsamkeit schwer zu erklären ist, wenn Menschen sie nicht selbst erlebt haben. Denn Schmerz macht einsam.

Nicht nur körperlich, sondern auch emotional. Während eines Migräneanfalls bist du allein mit dem Schmerz. Niemand kann ihn dir abnehmen. Niemand kann wirklich nachvollziehen, wie es sich anfühlt, wenn selbst Licht, Geräusche oder die eigene Existenz zu viel werden.

Menschen können mitfühlen. Aber sie können nicht mitfühlen, wie es ist, tagelang in einem dunklen Raum zu liegen, während draußen das Leben weitergeht. Und genau dort beginnt die Isolation.

Denn mit jeder Absage entfernt man sich ein kleines Stück mehr von anderen Menschen. Geburtstage werden verpasst. Urlaube abgesagt. Treffen verschoben. Nachrichten später beantwortet. Nicht aus Desinteresse — sondern weil Überleben manchmal schon genug Kraft kostet.

Und irgendwann merkt man, dass man nicht nur Termine verliert. Sondern Anschluss.

Während andere spontan verreisen, feiern gehen, Karriere machen oder einfach ihren Alltag leben können, sitzt du zuhause und überlegst, ob dein Körper heute wenigstens ein paar schmerzfreie Stunden zulässt.

Vor allem chronische Migräne isoliert auf eine Art, die viele unterschätzen.

Denn sie nimmt dir nicht nur Gesundheit. Sie nimmt dir Spontanität. Leichtigkeit. Verlässlichkeit. Und manchmal sogar das Gefühl, noch wirklich Teil des Lebens anderer Menschen zu sein.

Das Schlimmste daran ist aber nicht immer der Schmerz selbst. Sondern dabei zuzusehen, wie das Leben anderer weiterläuft, während das eigene stillsteht. Zu sehen, wie Freundschaften enger werden, während man selbst immer häufiger fehlt. Wie andere Erinnerungen sammeln, während man versucht, den nächsten Tag irgendwie zu überstehen.
Wie Menschen Pläne schmieden, während man lernt, keine Hoffnung in gute Tage zu setzen, weil der nächste Anfall ohnehin alles zerstören könnte.

Chronische Krankheit bedeutet oft nicht nur, alleine zu leiden. Sondern sich irgendwann unsichtbar zu fühlen. Und Einsamkeit entsteht nicht nur dadurch, dass niemand da ist. Sondern dadurch, dass sich irgendwann niemand mehr wirklich vorstellen kann, wie dein Leben aussieht. Außer Menschen, die denselben Schmerz tragen.

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