Ideale Welt
Ja, ich weiß, meine Beiträge haben oft einen düsteren Beigeschmack, und ich gebe zu, manchmal – und vor allem in letzter Zeit – war mein Leben von einer sehr angsterfüllten Realität geprägt. Denn meine Krankheit und meine Neurodivergenz bringen für eine Welt wie diese viele Konsequenzen mit sich, die gerade als junger Mensch sehr herausfordernd sein können.
Gerade dann, wenn ich die ganzen anderen Leben sehe und meines hinterfrage. Das heißt allerdings nicht, dass mein Leben aus purer Negativität besteht. Ganz im Gegenteil.
Es liegt im Auge des Betrachters, was wir aus unserem Leben machen. Und vor allem, wie wir das Leben betrachten. Denn das eigene Mindset macht dein Leben aus. Es fängt damit an, wie du deinen Tag startest und wie du ihn beendest – in welcher Emotion, in welcher Handlung und in welchem Wert.
Wir Menschen wurden erzogen, über vieles hinwegzusehen, vieles zu verdrängen und vor allem immer zu funktionieren. Denn nur wenn du für die Masse funktionierst, dann bist du wertvoll. Ihr merkt, diese Themen finden sich immer wieder in meinen Beiträgen. Doch genau das ist der springende Punkt: Wenn wir nicht aufhören, uns ständig zu perfektionieren, um in ein System zu passen, das uns immer wieder klar macht, dass selbst das nicht genug ist, und wir uns irgendwann in einer Spirale der Selbstaufopferung befinden, nur um dazuzugehören, dann wird es im Laufe der Zeit zu einem kollektiven Burnout kommen.
Eine ideale Welt wurde uns versprochen, und wir haben daran geglaubt. Social Media macht sie uns sichtbar: diese vielen perfekten und besonderen Leben da draußen. Also wie sollen wir da nicht in einen inneren Konflikt kommen, ob wir genug sind?
Ich habe mir die letzten Wochen viele Gedanken über meinen Wert gemacht, denn ich wurde mit einer Realität konfrontiert, die mir gezeigt hat, dass Können nicht gleich dein Weg ist. Dass Menschen gerne urteilen, bevor sie sich wirklich mit deinem Kern auseinandersetzen. Und dazwischen liegen die Prägungen aus der Kindheit, die ein großes Stück weit den Umgang mit dem eigenen Selbst bestimmen.
Ich wollte diesen Blog anfangen, um meinen Gedanken einen Raum zu geben und vielleicht auch anderen einen Wiedererkennungswert und Lösungen zu präsentieren – mit dem Hintergrund: Du bist nicht allein. Wir sitzen alle im selben Boot.
Doch mit der Zeit habe ich verstehen müssen, dass viele Menschen sich gar nicht mit diesen Themen auseinandersetzen wollen. Ganz im Gegenteil: Sie verdrängen weiterhin und leben in ihrer Bubble der idealen, inszenierten Welt.
Und das stimmt mich traurig, da ich mir wirklich eines für unsere Gesellschaft wünsche: Heilung.