Siebenundzwanzig
Siebenundzwanzig Jahre. Über zwei Jahrzehnte, fast drei – lebe ich hier in dieser Welt.
Ich habe so viele Sonnentage erlebt, aber auch Regen und Sturm. Mal eisige Kälte, mal lähmende Hitze, mal alles dazwischen. Traumata und Heilung. Ich habe gesehen, wie Freunde kommen und gehen. Habe meinen Platz gesucht – und ihn immer noch nicht gefunden.
Ich habe alle Gefühle durchlebt, bis ich verstehen musste, dass Emotionen nur 90 Sekunden wirklich präsent sind. Ich bin dem Tod begegnet, habe die Schule bestanden, meine Ausbildung gemeistert und viele Arbeitsfelder entdeckt. Projekte angestoßen, durchgezogen und auch abgebrochen.
Ich hatte Liebeskummer. Habe alleine gewohnt, mit einem Partner zusammengelebt und in einer WG mit spannenden Persönlichkeiten gelebt – um jetzt wieder auf der Straße zu stehen.
Ohne zu wissen, was kommt.
Ich hatte Hoffnung, hatte Glück, aber auch oft Pech. Hatte die wildesten Nächte und die einsamsten Morgen. Habe Sonnenauf- und -Untergänge gesehen. Das Meer geschmeckt. Inseln besucht. Flora und Fauna bestaunt. Berge erklommen und in Seen geschwommen.
Geld verdient, es ausgegeben oder verloren – nur um zu verstehen, dass Geld nicht mein Glück ausmacht.
Ich habe Wunder erlebt. Magie beschworen. Schmetterlinge beobachtet. Im Wald die Sonne gespürt und das Grün um mich herum eingesogen. Gemalt, gezeichnet, getöpfert – mich kreativ ausgelebt.
Ich habe Reden gehalten. Geweint und gelacht. Auch Scheiße gebaut.
Alles in allem habe ich ein Leben gelebt. Und bin gerade immer noch dabei.
Im Suchen und Finden stecken geblieben. Und verstanden, dass ich eine von 18 Millionen bin.
Siebenundzwanzig musste ich werden, bis ich endlich verstanden habe, dass ich eine von 18 Millionen bin.
Eine von 18 Millionen?
Ja. Eine.
Ich bin Lena. Lena mit Migräne mit Aura.
Und das ist meine Geschichte.